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24.06.2020

Online-Meldestelle Stopline: 30 Prozent zutreffende Meldungen

Insgesamt gingen 2019 über 9.000 Hinweise zu sexuellen Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger und nationalsozialistischer Wiederbetätigung im Internet ein.

9.106 Meldungen erhielt Stopline – die Meldestelle gegen sexuelle Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger und nationalsozialistische Wiederbetätigung im Internet – im Jahr 2019. Nachdem 2018 enorm viele Meldungen eingegangen waren, hat sich die Gesamtzahl der Meldungen im Vorjahr zwar reduziert, liegt insgesamt aber immer noch markant über dem langjährigen Durchschnitt. Besonders auffällig war 2019 die sehr hohe Quote der zutreffenden eingereichten Meldungen: rund ein Drittel wurde von Stopline als illegal eingestuft.

Im Schnitt wurden 2019 knapp 750 Inhalte pro Monat an die Stopline gemeldet. Von den insgesamt 9.106 Meldungen betraf der Großteil sexuelle Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger. Das entspricht einem Rückgang von 40 % im Vergleich zum Vorjahr 2018, in dem 15.194 Meldungen eingegangen sind. Jedoch lässt sich 2019 eine deutliche Verschiebung erkennen. Während 2017 und 2018 jeweils über 97 % der Meldungen sexuelle Missbrauchsdarstellungen betrafen, sank dieser Wert 2019 auf 68 % (6.167 Meldungen) der eingegangenen Meldungen. Im Gegensatz dazu hat sich der Anteil von nationalsozialistischen Inhalten von nur 1 % (23 Meldungen im Jahr 2018) auf 17 % im Jahr 2019 (1.526 Meldungen) erhöht. „Die österreichische Internetwirtschaft kommt ihrer Verantwortung nach und wir sind sehr stolz auf die seit vielen Jahren etablierte Kooperation zwischen der Wirtschaft, der Stopline und den Behörden“, so Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA und Präsident der EuroISPA.

Knapp ein Drittel der Meldungen als zutreffend eingestuft

Der Prozentsatz der tatsächlich als zutreffend eingestuften Meldungen, sprich sexuelle Missbrauchsdarstellung Minderjähriger oder nationalsozialistische Wiederbetätigung, hat sich wie bereits in den letzten Jahren abermals erhöht. In absoluten Zahlen wurden 2.697 Meldungen, also knapp ein Drittel (30 %) aller gemeldeten Inhalte, von Stopline als tatsächlich gesetzwidrig kategorisiert. Damit wurde der bisherige Höchststand der letzten Jahre (zwischen 11 und 22 %, z.B. 2018 19 %) deutlich überschritten. Von den 6.167 Meldungen zu sexuellen Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger wurden 2.670 (43 %) als tatsächlich illegal eingestuft, bei den 1.526 Meldungen zu nationalsozialistischer Wiederbetätigung waren 27 (2 %) zutreffend.
„Seit über zehn Jahren sind nicht mehr so viele zutreffende Meldungen eingegangen. Diese hohe Quote erleichtert die Arbeit unserer hervorragend geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enorm und zeigt, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit und die wachsende Bekanntheit der Stopline bezahlt machen. Wir sind stolz, dass Stopline seit über zwanzig Jahren solch positive Beiträge leistet und im Rahmen ihres Tätigkeitsbereichs das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit der Internet-User kontinuierlich verbessern kann“, so Barbara Schloßbauer, Projektleiterin der Stopline.

Österreich seit Jahren unattraktiver Hosting-Standort für illegale Inhalte

Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass die Anzahl der illegalen Inhalte, die in Österreich gehostet wurden, einmal mehr gesunken ist. 2019 wurden insgesamt nur drei Fälle von sexuellen Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger verzeichnet. Dies entspricht 0,1 % aller illegalen Inhalte, die 2019 von Stopline bearbeitet wurden. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den österreichischen Providern und den Rechtsdurchsetzungsbehörden konnte das entsprechende Material rasch aus dem Internet entfernt werden. International gesehen führten in den letzten Jahren die USA die Statistik der Hosting-Länder für illegales Material an, welches der Stopline gemeldet wurde. 2019 wurden die USA jedoch von den Niederlanden verdrängt. In den Niederlanden verzeichnet man einen Anstieg von 38 % (2018) auf 55 % (2019). In den USA wurden 2019 36 % der illegalen Inhalte gehostet, mit einigem Abstand folgt Russland mit 3 %.

„Österreich ist ein unattraktiver Hosting-Standort für derartige illegale Inhalte. Wir reden hierzulande von Stunden und nicht von Tagen, bis das Material entfernt ist. Wenn ein Land so schnell reagiert, gibt es keinen Anreiz, diese Art von Material zu hosten. Ein Blick auf die internationale Statistik zeigt, dass andere Staaten noch deutlichen Aufholbedarf haben. Im Rahmen von INHOPE und insbesondere auf europäischer Ebene beteiligen wir uns deshalb aktiv am Austausch und teilen unsere österreichischen good practices“, berichtet Schubert. Der ISPA Generalsekretär und EuroISPA Präsident führt aus: „In den Niederlanden will man der Situation künftig so begegnen, dass Hosting-Unternehmen, die auf Löschaufforderungen der nationalen Meldestellen nicht reagieren, mit hohen Verwaltungsstrafen rechnen müssen.“

Erfreulich ist, dass im Vergleich zum Vorjahr in vielen Ländern illegal gehostete Inhalte deutlich reduziert werden konnten, dazu zählen vor allem Russland, Rumänien, die Seychellen und Frankreich. So gut wie alle eingegangenen Meldungen, die von Stopline als zutreffend eingestuft wurden, waren auf ausländischen Servern gehostet. Dies zeigt, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit zur Entfernung illegaler Inhalte aus dem Internet ist. Positiv zu vermerken ist, dass in den meisten Herkunftsländern, zu denen Stopline 2019 eine Meldung bekam, INHOPE Partner-Hotlines etabliert sind. „Da fast alle gemeldeten Inhalte im Ausland gehostet werden, sind Engagement und Vernetzung auf europäischer bzw. internationaler Ebene im Rahmen des INHOPE-Netzwerks von großer Bedeutung. Effizienz, rasches Handeln und Vertrauen aller beteiligten Stakeholder spielen dabei eine essenzielle Rolle. Stärken, auf die wir innerhalb der Netzwerke zählen können“, ergänzt Schloßbauer.

Fotomaterial und der Stopline Jahresbericht 2019 stehen unter www.stopline.at zum Download bereit.

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